Einsatz im Mittelmeer: „Ein Spiel mit Menschenleben“ - SVZ - Parchimer Zeitung 15.9.2023

Ludwigslust-ParchimSteffi Pulz-DeblerWahlkreisAus dem Wahlkreis

Bei ihrem freiwilligen Einsatz im Mittelmeer haben Linken-Landtagsabgeordnete und ihre Mitstreiter nach eigenen Angaben etwa 150 Menschen aus Seenot gerettet. Pulz-Debler war vor wenigen Tagen von der zweiwöchigen Mission zurückgekehrt.

„Am eindrucksvollsten war die reale Begegnung, mit dem, von dem wir immer nur hören“, sagte die 42-Jährige aus Parchim unserer Redaktion. Die Gefühle, die sie dabei bewegen: „Von wütend über erschrocken und bewegt bis hin zu hoffnungsvoll.“ Wütend und bewegt sei sie vor allem, weil auf dem Mittelmeer Menschenrechte verloren gingen.

„Es gibt offenbar Menschen erster, zweiter, dritter und sogar vierter Klasse.“ Universelle Menschenrechte, wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, schienen einfach nicht zu zählen. Die Strategie Europas sei es offenbar, wegzuschauen. Dabei sei Seenotrettung internationale Pflicht: „Man lässt Menschen nicht ertrinken. Das wird tagtäglich gebrochen.“

Nach einer Woche Training auf dem aus MV stammenden Seenot-Rettungsboot „Mare*Go“ war Pulz-Debler mit der Crew in See gestochen. Das Einsatzgebiet lag zwischen Lampedusa und Tunesien. Das italienische Lampedusa ist aktuell wieder in den Schlagzeilen. Seit Wochenbeginn haben mehr als 8000 Bootsmigranten die Insel zwischen Sizilien und Nordafrika erreicht. Allein am Dienstag kamen mehr als 5000 Menschen an.„Wir sind bei unserem Einsatz auf kleine, völlig überfüllte Boote gestoßen“, so die Linken-Politikerin. Die meisten Flüchtlinge hätten keine Schwimmwesten getragen, vielleicht der eine oder andere einen alten Autoreifen. Die italienische Küstenwache habe die von der „Mare*Go“ geretteten Menschen übernommen. Einmal habe man fünf Stunden warten müssen, bis die Küstenwache eintraf, es sei aber auch schneller gegangen. „Respekt habe ich vor den vielen Menschen, die ehrenamtlich helfen, die genau dieses Versagen nicht hinnehmen wollen“, so Pulz-Debler. Auf der Seele lägen ihr Bilder von leeren Booten, die auf dem Mittelmeer trieben. Und bewegt sei sie von einem Bild: „Einmal schien die Sonne, Delfine sind gesprungen und die Menschen, die kurz davor standen, von uns übernommen zu werden, haben ihre Hände zu Herzen geformt.“